Das Wichtigste in Kürze: Eine Fettstoffwechselstörung mit erhöhten Cholesterinwerten verursacht in der Regel keine Symptome. Zwar können als Folge einer genetischen Ursache orangegelbe Knötchen in der Haut auftreten, meist jedoch merken Betroffene, insbesondere im Frühstadium, keine Beschwerden. Die Diagnose erfolgt häufig erst durch eine Folgeerkrankung wie einen Schlaganfall oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen der Blutwerte zur frühzeitigen Diagnose und Behandlung empfehlenswert. Insbesondere bei einem erhöhten persönlichen Risiko sollte frühzeitig gehandelt werden, um schwere Erkrankungen zu vermeiden
Erhöhte Cholesterinwerte deuten auf einen aus dem Gleichgewicht geratenen Fettstoffwechsel hin. Das ausgeklügelte System des Körpers funktioniert dann nicht mehr richtig. In diesem Fall spricht man auch von einer Hypercholesterinämie. Sie kann die Folge eines ungesunden Lebensstils oder genetisch bedingt sein.
Symptome eines hohen Cholesterinspiegels?
Das Tückische an einer Hypercholesterinämie ist ihre Symptomlosigkeit. Da erhöhte Cholesterinwerte in der Regel keine direkten Beschwerden verursachen, bleibt die Erkrankung im Frühstadium oft unbemerkt. Sie kann nur durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden. Doch auch ohne spürbare Symptome steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stetig an. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind deswegen essenziell, um schwerwiegende Folgeschäden rechtzeitig zu verhindern.
Welche Anzeichen trotzdem auftreten können
Obwohl ein hoher Cholesterinspiegel meist symptomlos bleibt, können bei einigen Patient:innen – insbesondere bei sehr hohen Werten oder genetischer Veranlagung – folgende Warnsignale auftreten:
- kleine, orangegelbe Knötchen (Xanthome) in der Haut,
- getrübte, weißliche Ringe um die Hornhaut der Augen,
- Engegefühl in der Brust und Atemnot bei Belastung,
- Oberbauchschmerzen durch Entzündungen der Bauchspeicheldrüse oder der Leber,
- krampfartige Schmerzen in den Beinen bei längerem Gehen aufgrund von Durchblutungsstörungen (Schaufensterkrankheit).
Xanthome treten vor allem als Symptom von erhöhten Cholesterinwerten aufgrund einer genetischen Veranlagung, auch familiäre Hypercholesterinämie genannt, auf. Die charakteristischen kleinen Knötchen können an verschiedenen Stellen des Körpers vorkommen, zum Beispiel an der Brust, dem Rücken, den Knien, den Augenlidern, in den Fingerzwischenräumen oder auch an inneren Organen wie der Leber oder der Milz.
Diagnose durch Folgeerkrankungen
Ein zu hoher LDL-Cholesterinspiegel kann dazu führen, dass sich das Cholesterin in den Gefäßwänden ablagert und diese verengt. Dadurch werden die Organe schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was das Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Im schlimmsten Fall können die Ablagerungen so dick werden, dass es zu einem Verschluss und somit zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt. Da Symptome vorher meist ausbleiben, wird oft erst im Rahmen der Behandlung einer dieser Folgeerkrankungen ein erhöhter Cholesterinspiegel diagnostiziert.
Mögliche Folgeerkrankungen sind:
- Atherosklerose:
Durch zu viel LDL-Cholesterin entstehen Ablagerungen, auch Plaques genannt, in den Gefäßwänden. Die Gefäße werden enger und starrer. Dies kann weitere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zur Folge haben. - Thrombose (Blutgerinnsel):
Wenn eine Plaque aufreißt, bildet der Körper ein Blutgerinnsel, um die Stelle zu „flicken“. Dieses Gerinnsel kann das Gefäß auch komplett verstopfen. - Koronare Herzkrankheit:
Durch Ablagerungen in den Gefäßwänden sind die Herzkranzgefäße verengt. Der Herzmuskel wird schlechter durchblutet und erhält weniger Sauerstoff. Brustschmerzen und Atemnot sind die Folge. - Herzinfarkt:
Durch den vollständigen Verschluss von einem oder mehreren Herzkranzgefäßen stirbt das Herzmuskelgewebe ab. Dies kann lebensbedrohlich sein. - Durchblutungsstörung im Gehirn:
Durch eine Atherosklerose oder ein Gerinnsel wird das Gehirn unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Es kann zu kleinen Ausfällen führen, wie Schwindel, Konzentrationsstörungen oder plötzlichen Lähmungen. - Schlaganfall:
Ein vollständiger Verschluss einer Arterie im Gehirn führt zu einer lebensbedrohlichen Durchblutungsstörung. Als Folge können Nervenzellen beschädigt werden oder absterben. - Schaufensterkrankheit:
Die Beine werden durch verengte Gefäße nicht mehr ausreichend durchblutet, was beim Gehen zu Schmerzen führt. Betroffene müssen ständig stehen bleiben, wie beim Schaufensterbummel. - Nierenfunktionsstörung und Nierenversagen:
Die feinen Gefäße der Niere verkalken, was langfristig zu Nierenversagen führen kann.
Die Bedeutung von Vorsorge
Um erhöhtes Cholesterin, das zunächst keine Symptome verursacht, frühzeitig zu erkennen, ist eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung empfehlenswert. Im Rahmen des Gesundheits-Check-ups können gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre eine solche Untersuchung in Anspruch nehmen. Dabei werden auch die Blutfettwerte untersucht, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Personen zwischen 18 und 34 Jahren können den Check-up einmalig nutzen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
Ein gesundheitsbewusster Alltag schützt vor Fettstoffwechselstörungen und hilft dabei, schädliche Blutfette zu reduzieren. Besonders effektiv wirken eine ballaststoffreiche Ernährung, körperliche Aktivität sowie ausreichend Schlaf. Der Verzicht auf Rauchen und Alkohol unterstützt diesen positiven Effekt nachhaltig.
Das eigene Risiko kennen
Verschiedene Faktoren können das eigene Risiko erhöhen, an einer Fettstoffwechselstörung oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken. Wenn ein erhöhtes Risiko besteht, ist es besonders wichtig, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen.
Zu den Risikofaktoren zählen:
- Genetische Veranlagung: familiäre Vorbelastung durch vererbte Stoffwechselstörungen
- Begleiterkrankungen: insbesondere Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sowie chronische Nieren- oder Lebererkrankungen
- Lebensstilfaktoren: Übergewicht bzw. Adipositas, Bewegungsmangel, Tabak- und Alkoholkonsum
- Ernährung: eine einseitige Ernährung mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren und Transfetten
- Medikamente: Bestimmte Medikamente können ebenfalls die Blutfettwerte beeinflussen.
Häufig wird das eigene Risiko unterschätzt: Die RKI-Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (2025) hat gezeigt, dass die Hälfte der Personen mit einem ungünstigen Risikoprofil ihr Risiko unterschätzt hat. Mit diesem Test können Sie Ihr Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung selbst bestimmen. Im Zweifel sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Maßnahmen in Ihrem speziellen Fall empfehlenswert sind.
Eine Fettstoffwechselstörung kann heute gut behandelt werden, insbesondere wenn sie früh erkannt wird. Auch wenn Sie keine Symptome des erhöhten Cholesterins spüren, nehmen Sie Vorsorge und Behandlung ernst, um schwerwiegende Folgeerkrankungen zu vermeiden.